Mittwoch, 21. November 2012

#buko12 - Gedanken und eine Antwort

Für mich persönlich war der Buko in Magdeburg ein wunderbares Wochenende. Ich war am Sonntag Abend, als ich endlich wieder in Kiel angekommen war, eigentlich rundum zufrieden. Ich hielt ihn für einen guten inhaltlichen Kongress mit konstruktiven Debatten, ohne GO-Anträge und persönliche Erklärungen und vor allem: Mit vielen guten Diskussionen und Beschlüssen, mit denen ich gern in ein Bundestagswahljahr starte.
Aber scheinbar war nicht alles rosarot und flauschig. Kurz darauf wurde ich von mehreren Menschen auf den Blogartikel angesprochen, der ja nun - eine halbe Woche später - schon von vielen Zeitungen und Onlineportalen aufgegriffen wurde und unseren Bundeskongress als ein menschliches Desaster darstellt. Ja, wir haben alle den Blogartikel gelesen und schon viel darüber gesprochen. Das, was beschrieben wird, ist traurig und darf nicht passieren, schon gar nicht bei uns Jusos. Solche Sachen wie dieser Zettel (ein Zettel, auf dem Stirb! stand lag morgens auf dem Hamburger Delegationstisch) gehen gar nicht. Ich saß in der Reihe vor Hamburg und habe davon allerdings nichts mitbekommen. Ich hatte aber zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass die Hamburger_innen von allen gemobbt werden. Aber ich kann ja auch nur von mir persönlich sprechen, das Verhalten aller anderen Delegierten und Gäste vermag ich nicht zu beurteilen: Ich habe geklatscht, wenn ich etwas gut fand und nicht geklatscht, wenn ich es nicht gut fand. Ich habe für Dinge gesprochen, die ich unterstützen wollte (und die meine Delegation unterstützen wollte) und gegen Anträge, wenn ich sie scheiße fand. Oder ich habe dann einfach meinen Mund gehalten und einfach nur dagegengestimmt. Dass die Anträge, die wir meistens nicht unterstützt haben, aus Hamburg und anderen bestimmten Landesverbänden kamen, hat bei unserer Beratung, die im Vorfeld des Bukos stattgefunden hat, keine Rolle gespielt. Natürlich nicht, denn wir wollen doch die bestmögliche Beschlusslage für den Bundesverband.
Und ich bin mir sicher: Wir haben eine gute Beschlusslage, mit der wir uns als Jusos gut repräsentieren. Dass viele Dinge mit großer oder “großer großer” Mehrheit beschlossen wurden, ist doch ein super Zeichen!
Allerdings haben sich die Unstimmigkeiten, und ich kann ja nur für SH sprechen, auf inhaltliche Ebenen beschränkt. Mina sagt jetzt allerdings, dass es auch im persönlichen Umgang Probleme gab. Ich glaube vielmehr, dass das ganz stark auf Gegenseitigkeit beruht (was natürlich auch scheiße ist). Als der Genosse von den Falken sprach und erzählte, dass sie ein Gedenkfest für Rosa und Karl veranstalten, rief einer von den Hamburger_innen „und für Stalin und Hitler auch!“. Als ich ihn darauf ansprach, dass ich das unangebracht fände, bezeichnete er mich als Stalinistin. Das ist für mich auch kein Umgang. Dass auf den Hamburger Tischen um 19 Uhr schon Wodka-Flaschen standen und sie dementsprechend auch lauter wurden, hat uns auch gestört. Sie dann um Ruhe zu bitten, hat nichts mit Mobbing zu tun. Der Fehler, den ich bei mir sehe, ist, dass ich oft von „den Hamburger_innen“ gesprochen habe und damit die ganzen Ausfälle, die wir erleben mussten, auf deren gesamte Delegation abgewälzt habe. Das ist blöd und im Nachhinein tut es mir wirklich Leid. Dementsprechend ist es auch von Mina unangebracht, vom gesamten Bundeskongress zu sprechen. Ich glaube einfach, dass es überall Idiot_innen gibt, aber dass man das nicht auf eine gesamte Gruppe übertragen kann. Weder ich auf die Hamburger Delegation, noch Mina auf die anderen Landesverbände oder auf die Releleitung. Was ich aber wirklich problematisch finde, ist, dass alle Hamburger_innen sich darüber aufgeregt haben, was für Anträge aus den Projektgruppen gestellt wurden, obwohl sie doch eigentlich die Möglichkeit gehabt hätten, daran mitzuarbeiten. Ich war im letzten Jahr oft bei den Bundesjusos (auch mit Basismitgliedern, das waren keine ausgewählten Zirkel) und nie war jemand aus Hamburg dabei. Ich finde es schade, die Mitarbeit so zu verweigern und dann dagegen zu pöbeln. Ich konnte mich durch meine Mitarbeit in vielen Anträgen, die gestellt wurden, wiederfinden und fand den Umgang damit sehr fair.
Dass der Beitrag uns auf jeden Fall Diskussionspotential gibt, tut unserer Gesprächskultur wahrscheinlich ganz gut. Sascha hat Mina schon ein Gespräch angeboten und dann wird man sehen, wie wir weiterhin damit umgehen. Aber dass solche Probleme erst im Nachhinein über einen Blog rauskommen (ich habe nichts mitbekommen, obwohl ich in der Reihe vor Hamburg saß!), finde ich schade, weil das eigentliche Forum, auf dem darüber gesprochen werden muss, der Bundeskongress ist. Ich finde es schrecklich, dass es so weit kommen musste und dass ehrenamtliche Juso-Arbeit zu so einem Kraftakt werden muss.
Aber uns muss genau so auch klar sein, dass wir alle zum Klima beitragen und dass alle Schuld tragen, die das mit dem Zettel zum Beispiel mitbekommen haben, aber nicht reagiert haben. Weil sie nichts getan haben. Es mag alles nicht ernst gemeint gewesen sein, aber letztendlich zählt, welche Auswirkungen es hat. Wenn die Auswirkung ist, dass jemand sich in unseren Kreisen nicht wohl fühlt, dann haben wir ein großes Problem.

Ich finde es krass, dass wir auf dem gleichen Kongress waren, aber so unterschiedlich darüber denken. Wie ich eingangs sagte: Ich habe mich gut gefühlt, weil ich mich gefreut habe, so viele tolle Menschen zu treffen und so viele gute Anträge zu beschließen. Schade, dass während der Veranstaltung niemand auf uns zu gekommen ist, um die Probleme anzusprechen.

1 Kommentar:

  1. Liebe Merle,

    es tut mir leid, dass dich jemand von uns so bezeichnet hat. Das geht mal gar nicht! Werde das auch intern noch mal weiter geben. Zu den Wodkaflaschen muss man fairer weise sagen, dass die von Gästen, die an einem Zusatztisch saßen, waren, und als wir das bemerkt haben, wurden sie auch direkt darauf angesprochen und die Flaschen entfernt. Trotzdem natürlich ärgerlich.
    Ich finde es schön, dass du den Buko so toll empfunden hast - das zeigt ja, dass es auch anders geht. Es ging auch nicht darum zu sagen, dass ALLE Jusos gemein waren oder ähnliches, - im Gegenteil, die Ausnahmen waren ja da!- und was mich nur immer irritiert ist die Aussage, dass "die HamburgerInnen" ja teilweise unfreundlich waren (z.B. in Bezug auf die Äußerung, was auch wirklich nicht geht!), und deswegen der Umgang auf Gegenseitigkeit beruhe. Ich verstehe das insofern nicht, da ich halt niemanden zuvor kannte, und auch wie einge andere aus der Gruppe niemandem was getan habe. Und trotzdem eben die Reaktionen bekam.
    Aber du hast recht, wenn wir alle ein bisschen mehr aufeinander achten, dann wird das schon klappten. Insofern danke für deine Betrachtungsweise und dein Feedback! Hat mich wirklich gefreut zu lesen, dass es auch so unkompliziert sein kann.
    LG
    Mina

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