Freitag, 21. Dezember 2012

Mauern bauen und Abstand gewinnen.


Ich bin gerade ein paar Tage aus meinem Urlaub zurück. Es war wundervoll. Aber irgendwas ist ja immer. Ich würde so gern sagen können, dass es perfekt war, dass es rundum gut war. Das würde keineswegs heißen, dass alles so gelaufen ist, wie wir es geplant oder gewollt hatten, nein, das würde ich niemals erwarten. Ein perfekter Urlaub ist für mich, wenn ich mich wohl fühle. Wenn ich mich nie in Situationen begeben hätte (bzw. in diese Situationen gebracht worden wäre), in denen es mir schlecht geht. Aber diese Situationen gab es, sogar mehrfach. Und man darf sich einfach nichts vormachen: Es wird sie immer geben, immer dann, wenn man auf Leute trifft, die nicht wissen, wie sie mit dir umgehen müssen. Ein wirklich schlimmer Moment war es, als wir uns in der Garderobe eines Clubs die Jacken anziehen wollten und ich von einem Mann angesprochen wurde. Da ich nicht wusste, was er wollte und es laut war, bat ich ihn, Englisch zu sprechen. Zuerst sagte er mir, dass kurze Haare so sexy seien und anschließend wollte er nicht verstehen, dass wir gehen wollten. Er wollte tanzen. Ich habe mich abgewandt, ihn wirklich abgewiesen. Er fragte danach noch mehrfach nach meiner Handynummer und ich sagte jedes Mal wirklich deutlich “No.”. Irgendwie schien er zu merken, dass ich keinerlei Interesse hatte. Aber anstatt es dann zu lassen und zu gehen zog er mich an sich und küsste mich. Einfach so. Ich habe mich wirklich schäbig gefühlt. Als wir draußen auf der Straße standen, habe ich mich darüber aufgeregt. Lautstark. Auf einmal hätte ich genau gewusst, was ich zu tun habe, wie ich zu reagieren habe. Die Freundin, mit der ich in dem Club war, hatte in dem Moment nichts getan. Nicht, weil sie mich im Stich lassen wollte. Sondern weil sie schlichtweg nicht wusste, wie schlimm es für mich war. Und wie lange ich noch darüber nachdenken würde, was ich im Nachhinein hätte machen sollen. Ich hätte ihm einfach eine knallen können, ja, ich wäre in der Position gewesen, ihn wegzudrücken, ihn zu schlagen oder jemanden um Hilfe zu bitten. Aber ich habe mich hilflos gefühlt. Wirklich hilflos. Danach ist man immer schlauer, danach weiß man immer, wie es richtig gewesen wäre. Aber muss man in dem Moment klar denken können? Ja, ich könnte mich jetzt begehrt fühlen. Er hat mir gezeigt, dass er mich attraktiv fand. Aber ich fühle mich nicht respektiert, ich fühle mich verletzt und ich weiß ganz genau, dass ich im Recht bin und dass niemand mir einreden kann und darf, dass das doch nicht schlimm war. Für mich war es schlimm. Und solche Momente machen mir nicht nur den Abend kaputt, sondern sie machen mir Angst. Angst vor Spontanität und Angst vor Berührungen. Angst vor den Menschen, die meinen, das sei doch lustig und ich solle mich nicht anstellen. Solche Momente führen dazu, dass ich manchmal lieber zuhause bleibe oder dass meine Mauern immer höher werden.

Und bevor ich es mir jetzt anders überlege, veröffentliche ich das. Vielleicht sehe ich das in ein paar Tagen, Wochen ganz anders. Just think about it.

Kommentare:

  1. Mein Abend ist auch immer total versaut, wenn irgendwer meint, meine Grenzen nicht einhalten zu müssen -.- . Kann dich wirklich verstehen. Tut mir Leid, dass das passieren musste. Man ist ja nicht mal mit männlicher (!) Begleitung komplett geschützt.

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  2. Hallo Merle,
    ich habe in einem WenDo-Kurs (http://www.wendo.info/index.html)gelernt, dass viele Frauen diese antrainierte Schlaghemmung haben. Frau kann sie aber überwinden. Ich wünsch dir viel Erfolg dabei. Denn du warst natürlich im Recht und dieser Kerl hat deine Grenzen nicht geachtet.
    Liebe Grüße

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  3. Sehr hilfreich wäre da sicher, selber eine körperliche Übungspraxis zu beginnen, die dem Körper seine Spontaneität wieder gibt!

    DAS BRINGTS WIRKLICH!! Yoga hat zum Beispiel diesen Effekt, ein halbes Jahr fast täglich üben reicht schon - aber es braucht eine Schule dazu, alleine schafft man das nicht und macht viel falsch.
    Es sollte allerdings kein oberflächlicher "Fitness-Center-Yoga" sein, denn dabei wird meist nicht gelehrt, was ein wichtiger Teil ist: die Selbstbeobachtung, die Konzentration auf die jeweils "problematischen" Körperregionen, das Atmen etc.

    Wozu? Damit du nicht erst grübeln musst, wie du dich jetzt zu diesem dreisten Dummbeutel und seinen Übergriffen verhalten könntest, wolltest, wolltest - sondern KLATSCH!!!!!!!!!!!!!!!! - die Ohrfeige kommt GENAUSO SCHNELL UND SPONTAN wie der Übergriff!

    Wär das nicht toll?? Man ist dann danach auch nicht mehr groß sauer, denn der Typ hat ja bekommen, was er verdient.


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  4. Als ich das gerade gelesen habe lief es mir eiskalt den Rücken runter.. das geht ja mal sowas von gar nicht! Es tut mir unglaublich Leid, was dir an dem Abend passiert ist und ich kann deine Angst nachvollziehen. Woher soll frau denn wissen, dass nicht irgendwann jemand kommt und noch mehr Grenzen überschreitet? Furchtbar.

    Einerseits sind die Ratschläge hier sicher gut, andererseits ist es echt traurig, dass es mal wieder an einer selbst ist, sich Gedanken zu machen, wie sich so etwas in Zukunft verhindern oder wenigstens rächen lässt. Denn eigentlich sollte doch der Idiot sich über sich selbst ärgern und nicht du! Er müsste sich in Grund und Boden schämen und sich überlegen, was er tun muss (z.B.weniger/keinen Alkohol trinken, genau auf ablehnende Signale achten, etc.), damit er auf keinen Fall nochmal jemandem so krass zu nah tritt. Aber nein, ich wette, der ist sich nicht mal bewusst, dass er was falsch gemacht hat. Und an so einer Stelle, ärgere ich mich in solchen Situationen dann immer noch mehr, dass auch ich meistens nicht deutlich genug reagiere, weil mir im Nachhinein bewusst wird, dass ich damit versäumt habe, durch eine deutliche Reaktion etwas in diesem oder jenem Volltrottel zu bewirken, damit er nicht in Zukunft auch noch die Grenzen anderer Frauen überschreitet.
    Um dich persönlich zu schützen ist es aber leider wohl die beste Möglichkeit, einen der Ratschläge, die hier gegeben wurden, einfach mal auszutesten.

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